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PRIVATE ART COLLECTIONS

Fortsetzung

Vielfältig sind Schicksal und Wege dieser adeligen Sammlungen; teilweise wurden sie komplett zerstreut, teilweise gingen sie in anderen Sammlungen auf.

Die bedeutendste unter diesen Sammlungen der Aristokratie, die teilweise schon sehr früh öffentlich zugänglich gewesen sind, war zweifelsohne die Sammlung Liechtenstein, die aufgrund ihrer Grösse und Qualität im Vordergrund stand. Daneben entstanden viele andere Privatsammlungen wie die Graf Harrach’sche Familiensammlung, die Sammlung Esterházy, die Sammlung Schönborn-Buchheim, die Sammlung Czernin, die Sammlung Lamberg und die Sammlungen Metternich und Kaunitz.

Mit der Rückkehr der Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein im März 2004 wurde das Augenmerk neuerlich auf diese letztlich in Vergessenheit geratene Facette im Reichtum des Wiener Kulturlebens gelenkt. Deshalb war es nahe liegend, auch andere noch existente private Sammlungen der Aristokratie, sowie in der Folge weitere Privatsammlungen, in diese Rückkehr einzubinden.

PRIVATE ART COLLECTIONS bezeichnet einen losen Zusammenschluss und Austausch dieser Sammlungen, die zum Ziel haben, gemeinsame Ausstellungsprojekte zu realisieren, die Bestände der Partner aus dem Material ihrer Sammlungen zu ergänzen, gemeinsam am internationalen Ausstellungsmarkt aufzutreten und miteinander auch andere Veranstaltungen – wie z. B. Konzerte – durchzuführen.

Bereits zur Eröffnungsausstellung des LIECHTENSTEIN MUSEUM wurden Gemälde der Sammlung Schönborn-Buchheim in die Präsentation des Gartenpalais Liechtenstein einbezogen. Einzelne Werke sind auch in der Residenzgalerie Salzburg als Leihgaben präsent. Das erste grosse gemeinsame Ausstellungsprojekt wird im Winterhalbjahr 2006 realisiert werden. Ausstellungen der PRIVATE ART COLLECTIONS können an einem Ausstellungsort der Partner, aber durchaus auch an mehreren Plätzen (zusätzlich denkbar ist das Kunstmuseum Vaduz, in dem die Fürstlichen Sammlungen permanent mit einer Ausstellung präsent sind) gezeigt werden.

In einer nächsten Phase werden weitere internationale Partner, die die Fülle des Angebots noch wesentlich bereichern, in das Konzept integriert. Die Einbindung von später entstandenen, dem Mäzenatentum eines wohlhabenden Bürgertums entspringenden Sammlungen, soll die Brücke zwischen den historischen Sammlungen adeligen Ursprungs und jenen Kunstsammlern schlagen, die vor allem im 20. Jahrhundert zusammen mit dem Aufstieg ihrer Unternehmen zu Wohlstand gelangten und hoch bedeutende Sammlungen zusammentragen konnten. Die Sammlung Oskar Reinhart „Am Römerholz“ in Winterthur steht stellvertretend für derartige Sammlungen.
 
In der Vermarktung sollen sich die Sammlungen ergänzen. Packages, die schon jetzt existente musikalische Veranstaltungen, aber auch den Golfplatz im Park des Schlosses Schönborn in Göllersdorf einbeziehen, werden das Angebot jeder einzelnen Einrichtung wesentlich attraktiver machen.

Besucher, die ein Ticket eines Partners der PRIVATE ART COLLECTIONS vorweisen können, zahlen im LIECHTENSTEIN MUSEUM den reduzierten Eintrittspreis von 5,– Euro und in allen anderen Partnersammlungen den jeweils gültigen reduzierten Eintrittspreis.

ZIELE DER PARTNERSCHAFT

  • das Netz der historischen Beziehungen dieser Familiensammlungen wieder zu beleben
  • aus den Beständen gemeinsame, hochkarätige Ausstellungen auszurichten 
  • die eigenen Sammlungen durch Leihgaben zu ergänzen und sie einem breiten Publikum präsent zu machen
  • durch gemeinsames Marketing und Packages für Veranstaltungen weitere Publikumsschichten anzusprechen
  • das Interesse an den Partnerinstitutionen durch wechselseitigen, ermässigten Eintritt (Vorweis einer Eintrittskarte von einem der Partner) zu steigern

DIE PARTNER DER PRIVATE ART COLLECTIONS

  • SAMMLUNGEN DES FÜRSTEN VON UND ZU LIECHTENSTEIN/
    LIECHTENSTEIN MUSEUM. DIE FÜRSTLICHEN SAMMLUNGEN
  • SAMMLUNGEN DER FÜRSTEN ESTERHÁZY/
    ESTERHÁZY PRIVATSTIFTUNG
  • GRAF HARRACH’SCHE FAMILIENSAMMLUNG
  • SAMMLUNG SCHÖNBORN-BUCHHEIM
  • RESIDENZGALERIE SALZBURG
  • GEMÄLDEGALERIE DER AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE WIEN
  • SAMMLUNG OSKAR REINHART „AM RÖMERHOLZ“ WINTERTHUR

HISTORISCHE ZUSAMMENHÄNGE

Die Fürsten von Liechtenstein sammelten seit dem 17. Jahrhundert Gemälde, Grafik, Skulpturen, Kunsthandwerk und Möbel. Am Beginn des 18. Jahrhunderts wurden in Wien – nach Plänen des Barockbaumeisters Domenico Martinelli – zwei Palais errichtet, um ihren Sammlungen auch einen würdigen Rahmen zu geben: das Stadtpalais in der Bankgasse und das Gartenpalais in der Rossau. Letzteres ist heute nach über 60 Jahren der Vakanz wieder Sitz des LIECHTENSTEIN MUSEUM.

Neben der hochkarätigen Dauerausstellung und wechselnden Sonderausstellungen sorgt die aktive Sammelpolitik mit bedeutenden Neuerwerbungen für das Fortleben der historischen Traditionen des Fürstenhauses.

In Wien Mariahilf stand bis vor dem Zweiten Weltkrieg das Gartenpalais Esterházy, in dem ab dem frühen 19. Jahrhundert die umfangreichen Kunstsammlungen der Fürsten Esterházy Publikum anlockten. Eine universelle Mischung aus Renaissance- und Barockmalerei sowie Grafik, klassizistische Skulpturen, fernöstliches und europäisches Porzellan und eine umfangreiche Bibliothek zeugten von Reichtum und Geschmack des Fürstenhauses. Heute sind Teile der Sammlung auf Burg Forchtenstein im Burgenland zu bewundern.

Das Graf Harrach’sche Palais auf der Freyung im Herzen Wiens barg bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhun-derts den grössten Bestand an barocker neapolitanischer und spanischer Malerei, der in Wien zu sehen war. Vom frühen 17. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts sammelte die kunstinteressierte gräfliche Familie Meisterwerke von Solimena, Ribera und anderen wichtigen Zeitgenossen. 1970 kam die Sammlung in das östlich von Wien gelegene Schloss Rohrau, wo sie nach dem Verkauf des Wiener Palais heute noch als intime Adelsgalerie präsentiert wird.

Die Sammlung der Grafen Schönborn-Buchheim zählt zu den hochkarätigsten privaten Kunstsammlungen adeligen Ursprungs. Neben einer Gemäldesammlung sind die historischen Waffen, die exquisiten Möbel und die überaus reiche Porzellansammlung besonders sehenswert, die einst das Stadtpalais in der Renngasse und das Gartenpalais in Wien sowie das Landschloss Schönborn bei Göllersdorf in Niederösterreich füllten.
Die Familie Schönborn bewirtschaftet um ihr Landgut in Göllersdorf grosse land- und forstwirtschaftliche Flächen und betreibt dort auch einen Golfplatz.

Die Sammlung Czernin in Wien ging auf die Sammeltätigkeit von Johann Rudolf Graf Czernin zwischen 1800 und 1845 zurück, von 1823 bis 1827 Präsident der Akademie der bildenden Künste in Wien und ab 1824 Leiter der kaiserlichen Sammlungen. Wesentliche Teile dieser Sammlung sind heute in der Residenzgalerie Salzburg in ehemaligen Wohnräumen der Erzbischöfe zu sehen.

Die Grafen Lamberg beeinflussten über Jahrhunderte das Kunstgeschehen in der Reichshauptstadt, indem sie internationale Künstler nach Wien brachten. So kam zum Beispiel Antonio Canova auf Vermittlung des Grafen Lamberg 1805 nach Wien, wo er in der Folge unter anderem für Fürst Esterházy die Sitzfigur seiner Tochter Prinzessin Leopoldine, Gattin des Fürsten Moritz von Liechtenstein, schuf. 1822 ging diese letzte grosse in Wien zusammengetragene Privatsammlung als Schenkung in den Besitz der Akademie der bildenden Künste über.

Oskar Reinhart (1885–1965) ist ein Vertreter jener Kunstsammler des 20. Jahrhunderts, denen es der durchschlagen-de wirtschaftliche Erfolg ihrer Unternehmen ermöglichte, zeitgenössische Kunst und hochkarätige Werke – vor allem der Impressionisten – zu sammeln. Er knüpfte an eine Tradition an, die bis dahin insbesondere vom Adel hochgehalten wurde und sich mit fortschreitender Industrialisierung auch in der Gesellschaft der wohlhabenden Unternehmer immer mehr verbreitete.

GEMEINSAME AUSSTELLUNGSPROJEKTE

  • UNTER DEM VESUV – Kunst und Künstler vom 17. bis zum 19. Jahrhundert in Neapel und seinem Umfeld aus der Sammlung Harrach
    LIECHTENSTEIN MUSEUM, Herbst/Winter 2006/2007

  • OASEN DER STILLE – Die Landschaftsgärten der grossen mitteleuropäischen Adelsfamilien in Eisgrub, Eisenstadt, Bruck und Göllersdorf
    LIECHTENSTEIN MUSEUM, Herbst/Winter 2007/2008

  • DEM LICHT ENTGEGEN – Die Holländer in Rom
    Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, 2007 

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