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Königliche Porzellane des frühen 19. Jahrhunderts aus einer amerikanischen Privatsammlung |
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Mit der Sammlung Cohen aus New York, die auch als "Twinight Collection" bezeichnet wird, steht eine spektakuläre amerikanische Privatsammlung königlicher Porzellane aus der Zeit der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert im Mittelpunkt einer Ausstellung, die das LIECHTENSTEIN MUSEUM von 16. November 2007 bis 11. Februar 2008 in der klassizistischen Bibliothek des Gartenpalais Liechtenstein zeigt.
Der amerikanische Geschäftsmann, der sich auf Porzellane des europäischen Klassizismus spezialisiert hat und vor vierzehn Jahren zu sammeln begann, verfügt mittlerweile über einen Bestand von über zweieinhalbtausend Einzelobjekten. Sämtliche Werke, von denen eine erlesene Auswahl getroffen wurde und die noch nie zuvor in Wien zu sehen waren, sind von höchster Qualität und ausserordentlicher Seltenheit. Ein besonderes Augenmerk lag für Richard Baron Cohen auf den Porzellanen der Manufakturen in Sèvres, Berlin und Wien. Die Zusammenstellung von hochkarätigen Werken dieser wichtigsten europäischen Porzellanproduktionsstätten des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts in der Ausstellung des LIECHTENSTEIN MUSEUM ermöglicht dem Betrachter das Erfassen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Die Stücke bestechen durch ihr strenges, teilweise in Reliefgolddekor aufgetragenes Ornament und präzise Feinmalerei mit Veduten, Kopien nach berühmten Gemälden, antikisierenden Kameomalereien und lebendigen Blumendekoren. Ergänzt werden die Exponate durch Porzellane der Wiener Manufaktur aus den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein.
Richard Baron Cohen hat sich diese Ausstellung, die zuvor durch Porzellane der KPM aus preussischem Besitz ergänzt in Schloss Charlottenburg in Berlin gezeigt wurde, selbst sowie der Öffentlichkeit zum Geschenk gemacht. Seine Initiative begründete er folgendermassen: "Es wäre mein grösster Wunsch, Porzellan wieder attraktiv zu machen. Die Menschen sollen den künstlerischen Wert des Materials erkennen, sollen Kostbarkeit und Erlesenheit neu schätzen lernen. So wie heute contemporary art angesagt ist, war früher Porzellan ein Symbol für exklusiven Lifestyle. Und das soll es auch wieder werden." |
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Die führenden Manufakturen der Zeit: Sèvres, Berlin und Wien |
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Durch politische Umstände und durch persönliche Freundschaften befördert, standen diese drei Unternehmen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in regem Austausch. Die königlichen Manufakturen in Europa trieben sich in dieser Zeit gegenseitig regelrecht zu Höchstleistungen an. Wäre es noch wenige Jahrzehnte zuvor undenkbar gewesen, einem Mitarbeiter einer anderen Manufaktur Einblicke in die eigene Produktion zu gewähren, so korrespondierten nun die drei Direktoren der Manufakturen in Sèvres, Berlin und Wien über Rohstoffquellen, Rezepte und andere künstlerische Fragen. Neu angelegte Mustersammlungen fremder Porzellane und Studienreisen von Künstlern sorgten für einen erstaunlich offenen und inspirierenden Austausch von Formen, Dekoren und Malweisen. In den Akten der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) belegen Modellbezeichnungen wie "französische Vase" oder Dekorationsmuster wie "Wiener Kante" diese Verbindungen auf anschauliche Weise, in Wien produzierte man hingegen "Campanerschalen" nach Berliner Vorbild und Vasen nach "Sèvres-Art".
Zugleich kam es in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zu tiefgreifenden Veränderungen der Porzellantechnik. Nunmehr akademisch geschulte "Arkanisten" (Spezialisten der Porzellanherstellung) entdeckten neue Farben, die eine vollkommen neue Maltechnik ermöglichten. Besondere Vergoldungen, verbesserte Drucktechniken und bunte Glasuren, aber auch innovative Brennverfahren eröffneten neue Möglichkeiten, die letztlich zu einem Bruch mit den Traditionen des 18. Jahrhunderts führten. |
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Geschichte(n) auf Porzellan |
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Die ungewöhnliche Reichhaltigkeit und Qualität der Sammlung Cohen ermöglicht es, diese Aspekte erstmals in einer Ausstellung darzustellen. Von den ersten Micromosaikmalereien der Berliner KPM bis zu ehrgeizigen Monumentalvasen für die Weltausstellung 1855 in Paris breitet die Schau das gesamte Spektrum der Porzellankunst dieser Zeit aus. Raffinierte Vergoldungen, augentäuschende Materialimitationen, bewegte Schilderungen der napoleonischen Kriege oder zarte Blumen mit versteckter Symbolik beleben elegant geformte Gefässe. Ein Pferderennen in Paris (1811), hüftschwingende Tänzerinnen auf Tahiti (1821), die Entdeckung der Eisinseln durch Captain Cook oder ein Überfall auf Wanderer im Schwarzwald – zahlreiche minutiös gemalte Geschichten sorgen zwischen den prachtvollen Ornamenten für unterhaltsame Abwechslung und laden zu genauer Betrachtung. Zu den wichtigsten Objekten der Sammlung zählt auch ein Déjeuner mit Szenen aus Ägypten, das Napoleon Bonaparte der Herzogin von Montebello schenkte.
Ein reich illustrierter Katalog mit Beiträgen von Sarah Louise Galbraith, Claudia Lehner-Jobst, Tamara Préaud, Arnulf Siebeneicker und Samuel Wittwer, der in deutscher und englischer Sprache im Hirmer Verlag erschienen ist, begleitet die Ausstellung und ist im Shop des Museums erhältlich. |
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