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EINZUG DER KÜNSTE IN BÖHMEN. MALEREI UND SKULPTUR AM HOF KAISER RUDOLFS II. IN PRAG

20. November 2009 – 12. Jänner 2010

 

Manierismus – eine Stilbewegung des Umbruchs
Der Begriff des Manierismus bezieht sich auf die europäische Kunst zwischen Renaissance und Barock von 1520 bis kurz nach 1600. Von Florenz ausgehend verbreitete sich diese Kunstform in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts über ganz Mittel- und Nordeuropa. Kennzeichnend für diese Stilbewegung ist die Abkehr von den klassischen Kompositionsprinzipien und idealen Proportionen der Hochrenaissance, deren Vorliebe für Motive der Antike im Widerspruch zur Gegenreformation stand; jetzt wendet man sich zu überbetonten, teilweise bewusst die Disharmonie unterstreichenden Akzenten. Dieser Geist manifestierte sich vor allem in lang gestreckten, oft sehr bewegten oder geschraubten Figuren mit stark überzeichneten Körperhaltungen.

Der Hof der Habsburger in Prag und Fürst Karl I. von Liechtenstein
Der bedeutendste und grösste Kunstsammler Europas dieser Zeit war Kaiser Rudolf II. (1552/76–1612), der in Prag seinen Hof führte. Bereits 1597 wurde er auf die erlesene Kunstsammlung von Fürst Karl I. (1569/1608–1627) aufmerksam und erwarb von diesem auch einige auserwählte Kunstwerke.
Dem Ruf des Kaisers folgend, nahm Karl 1600 das Amt des Obersthofmeisters in Prag an, wo er 1607 das Palatinat erhielt. Nach der Schlacht am Weissen Berg (1620) wurde er von Kaiser Ferdinand II. (1578/1619–1637) zum Statthalter Böhmens ernannt.
Seine politische Stellung nutzte der Fürst, um Künstler wie Hans von Aachen, Joseph Heintz den Älteren, Bartholomäus Spranger oder Adrian de Fries als Hofkünstler zu protegieren, aber auch um ihnen eigenständige Aufträge zu erteilen.
So zählen die überlebensgrossen Bronzen des Christus im Elend (1607) sowie des Heiligen Sebastian (1615) von Adrian de Fries zum ältesten Kern der Kunstsammlungen des Fürstenhauses.

Zwei bedeutende Neuerwerbungen
Aus den historischen Inventaren der Fürstlichen Sammlungen wissen wir von vielen Gemälden der Prager Schule, die jedoch bis auf wenige Beispiele im Verlauf der folgenden Jahrhunderte verschwanden.
Zwei bedeutende Gemälde der Maler des Manierismus am Prager Hof konnten hingegen vor kurzem erworben werden und bereichern nun den noch vorhandenen Bestand ganz wesentlich: Hans von Aachens Diana und ihre Nymphen bei der Rast nach der Jagd (um 1602) sowie das monumentale Altarbild der Krönung der Jungfrau Maria (1602) von Joseph Heintz dem Älteren, die nun nach eingehender Restaurierung zum ersten Mal präsentiert werden, bilden das Zentrum dieser hochkarätigen Ausstellung. Gemälde wie auch Skulpturen und Pietra Dura-Arbeiten in den Beständen der Fürstlichen Sammlungen entstanden im Umfeld der Prager Hofkunst. Sie werden durch erlesene Leihgaben aus Sammlungen des In- und Auslands – beispielsweise vier Hauptwerke des Adrian de Fries –  ergänzt und unterstreichen die Bedeutung dieses kurzfristigen Zentrums der europäischen Kunst. 

RAHMENPROGRAMM

Themenführungen für Erwachsene
Freitag, 4. Dezember 2009, 15.00 Uhr
"Adrian de Fries, Kammerbildhauer Kaiser Rudolfs II."
Freitag, 8. Jänner 2010, 15.00 Uhr
"Die Figura Serpentinata – geziert, geschraubt, exaltiert"
Preis: jeweils Euro 4,– (exkl. Eintritt), keine Anmeldung erforderlich

Themenführung für Kinder
Sonntag, 6. Dezember 2009, 11.00–12.30 Uhr
"Verdrehte Körper"
Inspiriert von einer kurzen Führung durch die Sonderausstellung können Kinder die Körperhaltungen der verschiedenen Skulpturen selbst nachstellen und abzeichnen.
Preis: Euro 10,– (inkl. Eintritt und Material), Anmeldung erforderlich

Vortrag
Montag, 30. November 2009, 18.00 Uhr
"Ergänzende Bemerkungen zu Adrian de Fries, Hofbildhauer Kaiser Rudolfs II."
Manfred Leithe-Jasper, ehem. Direktor der Kunstkammer und der Weltlichen und Geistlichen Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien 
Preis: Euro 10,– / Mitglieder Euro 5,–Anmeldung erforderlich

Information und Anmeldung: +43 (1) 319 57 67–251 oder kunstvermittlung@liechtensteinmuseum.at 

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